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Profiteure im Verborgenen: Wer in Deutschland wirklich vom KI-Boom profitiert

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Während US-Konzerne die Schlagzeilen dominieren, verteilt der globale Ausbau der KI-Infrastruktur seine Gewinne stiller, aber nicht weniger real, entlang der gesamten Lieferkette. Ein Teil davon landet in Deutschland.

Der direkteste Weg führt über den Strom. KI-Rechenzentren sind Energiefresser, und ihre Zahl wächst schneller als die Kapazität der Netze. Infineon, der Münchner Halbleiterhersteller und Weltmarktführer bei Leistungshalbleitern, produziert die Bauteile, die diesen Energiebedarf überhaupt erst steuerbar machen. Stephan Kemper von BNP Paribas sieht das Unternehmen klar positioniert: Energiemanagement und Sicherheitschips werden mit jeder neuen Datencenter-Generation wichtiger. Siemens Energy, E.ON und RWE profitieren aus demselben Grund, nur eine Ebene tiefer: Sie liefern den Strom und bauen die Leitungen.

Zwölf Kilometer von Weimar entfernt, in Jena, sitzt ein Unternehmen, das in keiner KI-Schlagzeile auftaucht und trotzdem unverzichtbar ist. Jenoptik liefert optische Präzisionskomponenten für die Lithographiemaschinen von ASML, dem niederländischen Konzern, der faktisch ein Monopol auf die Herstellung moderner Halbleiter hält. Aktienanalyst David Houdek von Acatis nennt es einen „deutschen Enabler, der unterm Radar fliegt.“ Die Formulierung trifft es genau. Keine ASML-Maschine ohne Jenoptik-Optik, kein KI-Chip ohne ASML-Maschine.

Im DAX ist die Lage differenzierter. SAP hat an der Börse zeitweise gelitten, weil Investoren fürchteten, KI würde die Nachfrage nach klassischer Unternehmenssoftware austrocknen. Kemper und Houdek sind sich einig, dass dieses Bild falsch ist, und zwar aus einem einzigen Grund: SAP hat Daten. Finanzdaten, Logistikdaten, Personaldaten von mehr als 400.000 Unternehmen weltweit. Diese Daten sind nicht reproduzierbar, nicht öffentlich, und KI macht sie nicht überflüssig, sondern auswertbar. Kemper formuliert es weiter gefasst: Europas Industriekonzerne sitzen auf Produktionsdaten, die in manchen Fällen über Generationen angesammelt wurden. Dieser Datenschatz ist noch nicht in Wert gesetzt, aber er existiert.

Siemens treibt die KI-Anwendung in der Industrie aktiv voran, und das unter konsequenter strategischer Führung: Roland Busch hat den Umbau vom Industrie-Mischkonzern zum Technologieunternehmen abgeschlossen, den sein Vorgänger Joe Kaeser eingeleitet hatte. Die Vision der autonomen Fabrik ist klar. Die Bereitschaft der Kunden, ihr zu folgen, weniger. Houdek beschreibt es direkt: Der deutsche Mittelstand arbeitet vielfach noch mit Excel-Tabellen und isolierten Datensystemen. Siemens kann die Plattform liefern, aber nicht die digitale Reife der Unternehmen, die sie nutzen sollen.

Was fehlt, ist strukturell. Deutschland hat starke Ausrüster und spezialisierte Zulieferer. Was es nicht hat, ist ein Hyperscaler: kein Konzern, der KI-Infrastruktur im globalen Maßstab betreibt und damit die Margen abschöpft, die bei Google, Amazon und Microsoft entstehen. Kemper nennt es beim Namen: „Wir haben kein deutsches Google oder ähnliches.“ Houdeks Konsequenz ist entsprechend: Ein großer Teil der Gewinne fließt nicht nach Walldorf, sondern ins Silicon Valley.

Wer nur Anwender ist, zahlt am Ende den Preis, den andere festlegen. Das finanzielle Risiko tragen die US-Konzerne, in Form von hunderten Milliarden Dollar in einer offenen Wette. Die Kontrolle über das Ergebnis behalten sie ebenfalls.

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