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Technologie für alle, Kontrolle für einen: KI-Alltag in China

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Wer derzeit in China die Karten-App Gaode öffnet und auf Deutsch nach der Deutschen Botschaft in Peking fragt, bekommt die Adresse in Sekundenbruchteilen angezeigt. Lange war die App ausschließlich über chinesische Schriftzeichen bedienbar. Beim Onlinehändler JD.com liefern vage formulierte Suchanfragen auf Deutsch trotzdem zielsichere Treffer. KI ist in China nicht mehr Laborexperiment, sondern Alltag.

Der Preis dafür ist konkret: Der Akku leert sich schneller als je zuvor. Zum Glück stehen die gelben Leih-Ladestationen an fast jeder Ecke.

Ende Februar sorgte die Veröffentlichung des KI-Assistenten Openclaw für eine Euphorie, die über technische Begeisterung hinausging. He Xiaopeng, Chef des E-Auto- und KI-Unternehmens Xpeng, sprach von einer „Demokratisierung der Technologie“. Der Wettbewerb in der Volksrepublik ist schonungslos: Wer neue Funktionen zuerst anbietet, gewinnt Kunden, fast immer ohne Aufpreis. Niemand wartet darauf, dass ein Konkurrent den ersten Schritt macht.

In Deutschland beginnt die Debatte typischerweise mit der Frage nach den Risiken. In China beginnt man mit dem Produkt. Neue Technologien bekommen zunächst Raum. Bis die Staatsführung entscheidet, dass es genug ist.

Letzten Donnerstag, kurz nach 17 Uhr Pekinger Zeit, und damit nach Börsenschluss, kündigte die Internetaufsichtsbehörde CAC eine „Berichtigungskampagne“ gegen das „Chaos“ bei KI-Anwendungen an. Ein Zufallsprodukt war dieser Zeitpunkt nicht. Kurskorrekturen im Tech-Sektor sollten vermieden werden, bevor das lange Maiferienwochenende begann und die meisten Chinesen bereits abgereist waren.

Kurz zuvor hatte dieselbe Behörde den Verkauf des KI-Agenten Manus an Meta blockiert. Manus stammt vom chinesischen Start-up Butterfly-Effect Technology, das seinen Sitz inzwischen nach Singapur verlagert hat. Der Zwei-Milliarden-Dollar-Deal soll rückabgewickelt werden. Peking will nicht dulden, dass strategisch relevante KI-Entwicklungen über Umwege ins Ausland abfließen.

Die Parallelen zum Tech-Crackdown von 2021 sind deutlich. Damals war es der nicht genehmigte Börsengang der Taxiplattform Didi in den USA, der die Kampagne auslöste. Alibaba, Baidu und Tencent wurden nicht nur in ihrer Marktdominanz beschnitten, sondern auch politisch zurechtgerückt: Technologie soll der Modernisierung der chinesischen Wirtschaft dienen, nicht privaten Kapitalinteressen.

Tencent transportiert das heute in einem Firmenvideo mit dem Slogan „Tech for Good“. Die Nähe zum Parteileitspruch „Wei renmin fuwu“, auf Deutsch: Dem Volke dienen, ist vermutlich kein Zufall.

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