mAIdical: Künstliche Intelligenz erkennt Augenkrankheiten

Augenkrankheit Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz könnte in Zukunft Netzhautscans mit einer Datenbank abgleichen, um frühzeitig Augenkrankheiten zu diagnostizieren. Das plant jedenfalls ein Frankfurter Start-up.

Wie hilft die KI den Augenärzten?

Es gibt schon eine Datenbank, die mit Stand 2019 rund 80.000 Datensätze von Netzhaut-Anomalien enthält. Das Problem: Wenn ein Augenarzt einen neuen Scan mit den anderen ohne Computerprogramm abgleicht, dauert das viel zu lange. Verschärfend kommt hinzu, dass Augenärzte überlastet sind, es gibt hierzulande zu wenige von ihnen. Die Gründerin Pauline Polka – Umweltingenieurin und Wirtschaftswissenschaftlerin – hat sich der Thematik angenommen und an der Frankfurter Goethe-Universität einen KI-basierten Lösungsansatz gefunden. Dort stellten Mediziner und KI-Experten ein ähnliches Programm vor, das es ermöglicht, Lungenkrankheiten zu identifizieren. Polka ist mit einem Augenarzt befreundet und beriet sich mit ihm: Ließe sich die Methodik nicht auch auf Augenkrankheiten übertragen? Der Mediziner stimmte ihr zu. Anschließend gründete sie mit dem Medizinstudenten Marvin Kreft das Start-up mAIdical. Das AI im Namen steht für Artificial Intelligence. Derzeit (September 2019) konzentriert sich die Arbeit der beiden Gründer auf die Makuladegeneration. Sie gehört zu den am weitesten verbreiteten Augenkrankheiten und führt durch einen angegriffenen Sehnerv zu einem sukzessiven Sehverlust. Schon lange führen Augenärzte für die Diagnose Netzhautscans durch und gleichen sie dann mit bekannten Bildern aus unterschiedlichen Krankheitsstadien ab. Das Gründerteam von mAIdical hat nun ein neuronales KI-Netz darauf trainiert, diesen Abgleich vorzunehmen und die Scans dementsprechend zu klassifizieren.

Ergebnis der Forschungen

Die Software, die auch andere Anamnese-Daten mit einbezieht (unter anderem Risikofaktoren wie Rauchen oder Diabetes), kann schon jetzt bestimmen, ob ein Patient nur unter altersbedingt nachlassender Sehkraft (aufgrund schwächerer Akkomodation) oder mit hoher Wahrscheinlichkeit an einer Makuladegeneration leidet. Der Abgleich des Scans erfolgt unmittelbar während der Untersuchung, nach wenigen Minuten leuchtet eine Ampel entweder grün (keine Bedenken) oder rot (Makuladegeneration). Dazwischen gibt es die orangenfarbene Ampel, diese Patienten sollten regelmäßig zur Vorsorge. Neben dem Effekt der Früherkennung werden durch das Verfahren auch die Augenärzte entlastet. Die Genauigkeit liegt laut Polka bei 96 % und damit über den Ergebnissen, die Augenärzte bei ihrem händischen Abgleich der Scans erzielen. Die Scanner (sogenannte OCT-Geräte) werden schon von vielen Augenärzten, aber auch von Optikern und selbst Seniorenheimen eingesetzt. Sie kosten ab 55.000 Euro, dieser Preis könnte bei flächendeckendem Einsatz noch sinken.

Fortschritte von mAIdical

Das Start-up will die Ergebnisse noch weiter verbessern (Verkürzung der Untersuchungszeit, noch höhere Trefferquote) und außerdem andere Augenkrankheiten wie den Grünen Star ins Visier nehmen. Zudem werden Investoren und/oder Fördergelder gesucht. Derzeit finanzieren die beiden Gründer ihre Arbeit – Polka immerhin in Vollzeit – über das Hessen Ideen Stipendium. Dieses gewährt aber monatlich nur 2.000 Euro, für eine Forschungsarbeit ist das recht wenig. Immerhin schaffte es mAIdical ins Halbfinale beim Hessischen Gründerpreis, möglicherweise macht auch das Investoren aufmerksam. Experten wie Prof. Katrin Burmeister-Lamp von der Wiesbadener EBS Universität sehen in der Idee ein großes Potenzial, weil die Technologie ja schon funktioniert. Wenn die Erkennungsrate auf über 99 % stiege, wäre das eine Revolution bei der Diagnose von beginnenden Augenkrankheiten. Diesen kann heute schon therapeutisch gut begegnet werden, doch die Früherkennung ist (wie bei Krebs) enorm wichtig. Das macht die KI-Hilfe so bedeutsam.

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